15. Der Tyrann und die grossen Bäume

Tasmanien ist auch bekannt dafür, dass es teilweise noch sehr alte Wälder (zumindest in Restbeständen) und auch sehr hohe Bäume hat. Eukalypten sind eine Baumgattung mit australischem Ursprung und fast überall in Tasmanien zu sehen, insgesamt mehrere hundert Arten. Eine Art, der Riesen-Eukalyptus oder Königs-Eukalyptus (Eukalyptus regnans), wird bis zu 100 m hoch (weltweit die höchsten Nicht-Nadelbäume), wenn es während mehrerer hundert Jahre kein grosses Feuer gibt, in dem sie absterben. Interessanterweise sind Feuer für diese Bäume aber auch wichtig, weil dadurch die Keimung ihrer Samen ausgelöst wird und Konkurrenzbäume (Regenwaldbäume !) vernichtet werden, die ansonsten im Laufe der Zeit vorherrschen würden. Im Styx Valley (Mt. Field National Park im Südwesten) gibt es noch kleine Waldreste mit solchen riesigen Bäumen, und das wollten wir unbedingt sehen ! Weil dieses Tal aber relativ schwer zugänglich ist für einen grossen Camper, es uns nicht erlaubt war, lange Strecken auf Piste zu fahren und der Weg nicht ausgeschildert ist, haben wir uns einen spezialisierten Tour Anbieter gesucht. „Giant Tree Expeditions“ ist nach eigener Aussage der einzige seriöse Anbieter, ein Einmannbetrieb eines spezialisierten Ökologen, der versucht, damit zu überleben. Er hat wohl in verschiedenen Teilen der Erde wissenschaftlich über Bäume gearbeitet, sein Wissen scheint tatsächlich gross zu sein, seine Selbsteinschätzung allerdings auch. Tatsächlich findet er sich im versteckten Styx-Valley mit seinen verworrenen, unbeschilderten Wegen bestens zurecht, erst mit dem Auto und dann auch querfeldein zu Fuss, um uns die schönsten und berühmtesten Exemplare zu zeigen und zu erklären. Die schönsten Exemplare sind im Urwald versteckt, es gibt keine offiziellen Pfade dorthin.

Die bekanntesten Exemplare haben Name, hier der Christmas-Tree, irgendwer hatte wohl mal einen Teil des Stammes mit Leuchtgirlanden geschmückt, Reste davon fanden sich noch am Boden. Ca. 380 Jahre alt, Höhe ca. 80 m.
Die Grösse lässt sich mit der Kamera nur schwer einfangen, Genickstarre ist hier ebenfalls garantiert.
Der Chapel-Tree: Ein gewaltiger Stammumfang, Alter ca. 500 Jahre, Höhe ca. 70 m. Irgendwann haben diese Bäume ihre maximale Höhe erreicht und werden danach wieder kleiner (sie brechen zum Teil im oberen Bereich, bilden dafür aber neue Äste im oberen Drittel; außerdem werden sie oft innen hohl).
Chapel-Tree: Blick von innen nach oben.
Styx River
Baumfarne beim Styx River, ca. 300 Jahre alt, man wird ehrfürchtig.
Beim Styx River, das ist ein offizieller Pfad, deshalb wurde auch der umgefallen Baumriese vor längerer Zeit durchgesägt.
Was aussieht wie gelbliche Hundekacke, ist etwas ganz besonderes: der Fruchtkörper eines Schleimpilzes (kein Tier, keine Pflanze, kein Pilz, sondern amöbenartige Einzeller; sie leben in ungeheurer Zahl im Waldboden, auf ein chemisches Signal hin kriechen sie aufeinander zu und bilden zu Millionen einen Fruchtkörper, um Sporen zu erzeugen und freizusetzen; danach trennen sie sich wieder und leben weiter als einzelne Amöben).

Unser Führer kannte diesen Wald wirklich gut und hat uns tolle Sachen gezeigt. Leider war er aber auch etwas tyrannisch, nämlich der erste und einzige militant-ideologische Nichtraucher, dem wir begegnet sind. In Australien gibt es ja generell politisch sehr starken Gegenwind für Raucher, eine Schachtel Zigaretten kostet beispielsweise ca. 30 EUR und an vielen Stellen ist das Rauchen schlicht verboten, außer in ausgewiesenen Raucherzonen. Es war klar, dass man in diesem Wald nicht rauchen kann. Allerdings durfte Claudia auch auf der An- und Rückfahrt bei kurzen Pausen nicht rauchen, weil er Angst hatte, dass dann noch etwas Rauch an der Kleidung hängen könnte und so im Auto landet. Trotzdem sind wir froh, dass wir diese recht teure Tour gebucht haben, wir hätten diese Bäume nicht alleine gefunden und es war wirklich ein Erlebnis, sie zu sehen.

Voilà, es hätte ein wunderbarer Tag werden können, wenn er sich nicht wie ein Tyrann verhalten hätte (sowas in der Art sagte ich dann auch zu ihm) und wenn er versuchen würde, den Erziehungsanspruch gegenüber seinen Kunden abzulegen (selbstverständlich bestimmte auch er, was wir wo und wann essen – es war veganes Essen).

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