10. On the Road with Mr. Maier

Heute möchte ich euch gerne erklären, warum wir trotz fast täglichem Fahren auf Highways nicht mal 200 km pro Versetzungsstrecke erreichen. Also, wie sieht so ein exemplarischer Tag zwischen 2 Zielen aus?

Abfahrt meist zwischen 09.00 – 09.30. Wir haben ein paar Schichten Kleider an, da es kalt ist. Wir hatten bis jetzt Tee zum Frühstück getrunken. Thomas fährt. Einer von uns beiden sieht ein Blümchen am Strassenrand, also bei nächster Gelegenheit wird gestoppt und das Blümchen fotografiert. Weiter fahren.

Ein LKW kommt mit rascher Geschwindigkeit von hinten an. Unsere Reisegeschwindigkeit liegt meist zwischen 70 -80 km/h, die Fahrspuren sind relativ eng, man kann kaum den Blick von der Strasse nehmen. Die Trucks fahren eindeutig schneller und haben wahrscheinlich das dreifache Gewicht und sie sehen martialisch aus. Also wieder links ranfahren und den LKW vorbeilassen. Weiter fahren.

Einer von uns beiden muss pinkeln. Die öffentlichen Toiletten in Australien sind zahlreich. Sie sind teilweise sogar so zahlreich, dass es in den Bakeries oder ähnlichen kleineren Lokalen gar keine Toiletten gibt, es wird auf die öffentlichen Toiletten verwiesen. Diese sind wunderbar sauber und haben immer Toilettenpapier.

Links von Mr. Maier, eine öffentliche Toilette auf einem Highway
Eine von vielen in Strahan, meist schön unterteilt in Männlein und Weiblein
Dieses Bild wird es wohl auf unsere Schildersammlung im Vorraum schaffen. Alles, wofür es Verbotsschilder gibt, ist sicher schon mehrmals vorgekommen.

Also wieder links raus und pinkeln. Weiter fahren.

So gegen 10.00 – 10.30 wird es Zeit für Kaffee und etwas Süssem (erstaunlicherweise gibt es in vielen dieser kleinen Läden dasselbe Sortiment von Kuchen und ähnlichem). Es gibt speziell an den Highways oftmals kleine Hüttchen mit ausgesteckten «Coffee»-Fahnen. Wir bleiben stehen und trinken einen Kaffee, der in Tasmanien häufig von ausgezeichneter Qualität ist. Die Tasmanier sind stolz auf ihre Kaffeekultur – zu Recht ! Allerdings gibt es häufig Diskussionsbedarf, was wir genau möchten: welche Grösse genau (häufig sind verschiedene Grössen an Pappbechern oder auch Tassen ausgestellt), mit Cream (wenn sie haben – und das ist dann Creme Double !!!!!) oder Milch, wie viele Portionen Zucker. Man erhält dann den Kaffee fix fertig, sogar schon gerührt. Nach dem Kaffee: weiter fahren.

Die Strassen auf Tasmanien sind erstaunlich steil und eng und oft sind die Strassenränder beschädigt (auch Highways), daher ist die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht sehr hoch. Gestern zeigte Mr. Maier 46 km/h an. Und, natürlich ist die niedrige Geschwindigkeit auch eine Konsequenz aus der Erfahrung, dass Mr. Maier manchmal den Kühlschrankinhalt oder auch andere Schubladen aus der «Küche» ausspuckt. Wir schleichen also um die Kurven. Es ist nun ungefähre Lunch-Zeit und/oder es gibt eine Gelegenheit und wir bleiben stehen. Auf Tasmanien gibt es 3 Systeme wie das Essen zum Gast kommt:

Das wichtigste Utensil: die Tischnummer
  1. Auf den Tischen stehen Nummern: du suchst dir einen Tisch, der dir gefällt, liest die Speisekarte und entscheidest, was du essen willst. Dann gehst du an den Tresen, sagst zuerst deine Nummer, dann deinen Essenswunsch und bezahlst. Das Essen wird dir dann innerhalb von Sekunden an den Tisch gebracht (falls notwendig, vor Bestellung pieseln gehen, zwischen Bestellung und Lieferung fehlt sonst die Zeit)
  2. Auf den Tischen stehen keine Nummern: du suchst dir etwas aus einer Vitrine oder aus einer Speisekarte (die oft an der Wand irgendwo angebracht ist) aus, gehst an den Tresen, bestellst und bezahlst. Dir wird eine Nummer in die Hand gedrückt. Du gehst an den Tisch, der dir gefällt. Die Nummer stellst du präsent auf die Mitte des Tisches. Das Essen wird dir wieder innerhalb kurzer Zeit gebracht. Du bist fertig und gehst.
  3. Weder auf den Tischen noch am Tresen stehen Nummern: Du suchst dir etwas aus, bezahlst und wirst nach deinem Namen gefragt. Thomas war beim ersten Mal sehr überrascht, als er von einer jungen Frau nach seinem Namen gefragt wurde 😊. Dann stehst du irgendwo hilflos im Lokal rum und wartest. Jemand schreit deinen Namen und du kannst dir deine Bestellung abholen.

Wir haben vorab gelesen, dass man in Australien kein Trinkgeld gibt, nun verstehen wir auch den Grund: es gibt keinen Service, also konsequenterweise gibt es dann auch kein Trinkgeld. Heute Abend gehen wir zum ersten mal in Strahan in ein besseres Restaurant (bis jetzt war es eher Fast-Food/Fish & Chips, aber wir haben bis jetzt auch noch nichts anderes gefunden (in Hobart haben wir nicht danach gesucht)), ich bin neugierig, welches System dort angewendet wird oder ob wir ein neues System kennen lernen werden.

Voila, nach dem Mittagessen: weiter fahren.

Wir haben noch ca. 60/70 km vor uns. Es gibt wieder einen Grund links ran zu fahren (Blümchen, ein Tier, oder einer von uns hat zu viele Schichten an und muss sich ausziehen) oder Mr. Maier verlangt unsere Aufmerksamkeit. Gestern hatte er eine neue Idee. PLING, eine Stange löste sich unter dem Tisch und fiel auf den Boden. Der Tisch war nun nicht mehr arretiert. Wir wussten nicht, wie wir sie wieder dranmachen können. Wir hatten Angst, wenn wir die Stange nicht wieder dort anmachen, wo sie ursprünglich war, dass uns bei einer Rechtskurve die Tischplatte um die Ohren fliegt. Das wollten wir nicht riskieren. Also bastelten wir rum, bis die Stange an der Stelle war, wo das Gewinde reinpasste. Weiter fahren.

Sooo vergeht die Zeit. Um ca. 15.00 – 16.00 sind wir dann am neuen Campingplatz und bekommen noch einen Stellplatz, ohne vor reserviert zu haben. Dann wird noch etwas angesehen, unternommen, geduscht, oder wir kümmern uns um Logistik (einkaufen, Wäsche waschen, Weiterfahrt planen). Oder wir schreiben am Blog. Um ca. 21.00 bis 22.00 sind wir voller Eindrücke und total müde. Zufrieden schlafen wir ein. Da wir meist 2 Nächte an einem Platz bleiben, wird am 2. Tag eine Aktivität mit Bewegung als Schwerpunkt geplant, also, wir bewegen uns und nicht Mr. Maier.

Dies war der heutige Exkurs über die Fahrten zwischen den Zielen. Morgen werden wir über Cradle Mountain schreiben. Wir wünschen euch einen schönen Tag !

Ein Kommentar zu „10. On the Road with Mr. Maier

  1. Klingt alles in allem aber trotzdem sehr gechillt! Und eines muss man Mr. Maier lassen: er hat Charakter :). Habt weiterhin eine gute Zeit!

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