1. Anreise, E-Lade-Chaos und Cognac

Die Fahrt nach St. Emilion verlief ruhig und sehr angenehm. Wir fanden Ladestationen im richtigen Abstand und jede dieser Stationen hat funktioniert. Es war also auf positive Art langweilig. Unterhaltsam war jedoch das Auto an sich. Das Auto ist so programmiert, dass es gerne Voice-Anweisungen erhalten würde. Also schaltet es sich so ungefähr im 2 Stunden Rythmus dazu, indem es alle anderen Anwendungen überschreibt. Die weibliche Stimme im Auto: „Was möchten Sie jetzt gerne machen ?“ Der Zeitpunkt war eher suboptimal, da wir mit dem selben Bildschirm navigieren und in diesem Moment mussten wir gerade die Autobahn wechseln, wir sollten also das Navigationssystem sehen. Daher antwortete Thomas nicht ganz freundlich: „Verpiss dich !“. Dann sah man das Rädchen drehen und dann die Stimme: „OK, ich mache die Luft sauber“. In diesem Moment schaltete sich auch tatsächlich die Lüftung ein und im Auto blies ein recht kühler Luftzug. Diese Situation war so skurril, dass wir für ein paar Kilometer lachten.

Wir landeten knapp um 19.00 in St. Emilion und waren mit der Fahrtzeit von 11 Stunden (inklusive der Zeit von 4 Pausen/Ladezeiten) sehr zufrieden.

Dieser Turm steht direkt vor unserer Unterkunft, also fast im Vorgarten. Er heisst Tour du Roy und ist der einzige erhaltene romanische Bergfried in der Gironde. Es ist umstritten, um welchen König es sich hier gehandelt hat: entweder der französiche Ludwig VIII 1224 oder 1237 der englische Henri III Plantegenet, König von England und Aquitanien. Wie auch immer, das Gebäude ist alt !

Wir verliessen unsere Unterkunft um 10.00 morgens, wir hatten Tickets für eine Führung bei Hennessy in Cognac gebucht, vorher wollten wir Mittagessen. Um die Reichweite des Autos zu erhöhen, wollen wir in der Nähe von St. Emilion noch laden.

Leider sah die erste Ladestation, die wir anfuhren, so aus. Und ihr denkt sicher auch: hier hat schon lange niemand mehr geladen ! So war es dann auch und wir natürlich auch nicht !

Ok, wir brauchen eine neue Ladestation und fanden eine in der Nähe, eine Station von Allego. Nur hatten wir bereits Bekantschaft mit einer Ladestation von Allego im Elsass gemacht, diese Erfahrung war nicht sehr positiv: genau, es war diese Station, die Kommunikationsprobleme mit unserem Auto hatte. Diesmal die selbe Fehlermeldung. Also wieder nix und wir veränderten die Namen Allego in AlleNIXgo. Weiter fahren, neue Ladestation suchen.

Bei der 3. Ladestation und einem Kaffee hatten wir bereits 2 Stunden Verspätung in unserem Zeitplan – grrrrr. Ein E-Auto funktioniert wunderbar, wenn du zu Hause laden kannst oder auf den Autobahnen. Wenn die Umgebung jedoch komplett neu ist, ist es mühsam ! Am Ende des Tages beschlossen wir, für solche Fahrten eher den Mini zu nehmen als den ID4.

Voila, wir fuhren fast 2 Stunden bis nach Cognac, dort wollen wir Mittagessen gehen. Blöd nur, das Restaurant und das zugehörige Hotel gab es an dieser Adresse nicht mehr und so gut wie alles, war an diesem Tag geschlossen.

… eine Strasse in Cognac. Kein Geschäft, kein Restaurant, keine Menschenseele ….

Es war mittlerweile fast 14.00 und wir beschlossen, wir fahren in die Richtung der Charante, erstens war Hennessy auch dort und am Ufer eines grossen Flusses sind meistens auch Restaurants. Auch in diesem Fall. Wir sahen einen Italiener, drinnen waren Leute, wir stürmten rein. Beim Reingehen sahen wir, dass die Küche um 14.00 schliesst, es war 14.05. Nein, sie können uns nicht mehr bei sich essen lassen, aber MacDo hätte noch offen. Toll !

Thomas fand eine Bäckerei, die noch geöffnet hatte und tatsächlich, machten sie noch ein paar Sandwiches für uns. Mit Sandwiches, Cola und einem kleinen Dessert machten wir uns auf die Suche nach einer Möglichkeit zu essen und fanden diese auf einem Holztisch an der Charante.

Unser Blick auf das Schloss Cognac während dem Mittagessen. Wir beginnen uns mit dem Tag zu versöhnen.
Ein Blick nach rechts zeigt einen Teil der Gebäude von Hennessy, es sind sehr viele !
Unser Dessert, ein Canelét. Eine Spezialität der Gegend. Wir sind nicht beeindruckt, uns erinnert es an einen in Rum getränkten Radiergummi 😒. Mittlerweile habe ich aber auch gelernt, wenn sie in klein bestellt werden, sind sie besser.

Noch ein paar Bilder, die euch zeigen, dass es auch schöne Seiten von Cognac gibt.

Die Chantres verzweigt sich auf sehr schöne Art und Weise.
Das ältesete Fachwerkhaus von Cognac, dem „maison de la Lieutenance“, das vom General-Leutnant Pierre Lacombe von 1603 – 1624 bewohnt wurde.
Die Kirche St-Leger im Zentrum von Cognac.

Und noch etwas fällt uns in Cognac auf:

Überall in Cognac wird gebaut, renoviert, es ist laut und staubig ! Es scheint ein sehr grosses Programm zur Verhübschung der Stadt zu geben. Es würde wohl Sinn machen, mit einem Besuch noch ein paar Jahre zu warten, dann ist die Stadt sicher wundervoll !
Als ich dieses Foto machte, wurde ich vehement aufgefordert, mit dem Fotografieren aufzuhören. Eigentlich fand ich nur die „Baustellenbeleuchtung“ lustig und dachte mir nicht mehr. Aber nach dieser Reaktion nehme mal an, die wollten nicht haben, dass gezeigt wird, dass nicht alle französischen Regeln der Baukunst eingehalten werden 😆

Nun ist es aber bereits fast 17.00 und wir gehen Richtung Hennessy. Warum schauen wir uns dies überhaupt an ? Wir haben mit Cognac eigentlich überhaupt nichts am Hut. Wir kochen manchmal gerne damit. Wenn du ein Coq au Vin machst und nach dem Rösten des Hühnchens und des Gemüses mit Cognac ablöscht, macht sich das sehr gut im fertigen Produkt. Mehr wissen wir eigentlich nicht und genau das möchten wir ändern. Wir gehen einfach hin, weil wir neugierig sind.

Als die Führung beginnt, sind wir nur 2 Teilnehmer, 2 weitere sollen später dazu kommen. Als erstes fahren wir mit dem Boot auf die andere Seite der Charente und gehen auf ein Gelände, auf dem einige Vorräte von Weinbränden lagern.

Uns wird als erstes das Verfahren erklärt. Der Cognac besteht zu 90 % aus Ugni Blanc Trauben, besser bekannt als Trebbiano, Folle Blanche und Colombard teilen sich die restlichen 10 %. Es entsteht ein säurebonter und leichter Wein, der Brennwein genannt wird. Er hat zu diesem Zeitpunkt ca. 8 Volumsprozent. In den Wintermonaten wird destilliert, in diesem Fall gleich 2 x hintereinander. Beim ersten Destillerieprozess hat das Resultat zwischen 27 – 30 Vol.%, nach dem zweiten zwischen 60 – 72 Vol.%. Und dann beginnt bei Hennessy der Hokus-Pokus: die Assamblage, bedeutet, sie mischen die unterschiedlichen Jahrgänge so lange, bis sie den eindeutigen Charakter eines bestehenden Cognacs haben oder es wird eine neue Assamblage kreiert. Hier gibt es ein so genanntes Committee, das die Qualtität (in Stichproben) täglich (!!!!!!!!) der einzelnen Jahrgänge überprüft.

Nach dieser Theorie kommt der Teil, der für uns der Knaller ist: eine VR-Show über Hennessy. Wir gehen in einen schwarzen Raum mit weissen Graphiken an Wänden, Boden und Decke und bekommen die VR-Brillen aufgesetzt. Wir bleiben stehen. Das ist ungewöhnlich und neu für uns, bis jetzt kannten wir solche Shows nur im Sitzen. Es geht los:

Aus uns werden Avatare, wir sind die weissen Männchen und sehen uns gegenseitig und uns selbst auch so (nur die Füsse haben wir nicht gesehen – wir schwebten also). Um uns türmen sich Bilder auf, Pflanzen, Fässer, Fässermänner und wir zwischen drin. Es ist wirklich beeindruckend !
Feuer !
Und Eis. Hier wehte auch tatsächlich ein kühler Wind.
Boote fahren um uns herum. Wir stehen selber auch auf einem Boot und der Boden vibriert unter unseren Füssen ….
Mit Pfeilen, die bei uns in der Brille angezeigt werden, werden wir geleitet, manchmal im Kreis, manchmal gerade aus. Es ist wirklich ungewöhnlich und faszinieren !

Die Bilder habe ich von der Webpage des Graphikstudios, das bei der Entwicklung beteiligt war. In echt zu fotografieren, ist ja nicht möglich.

Nach 19 Minuten ist der Spass vorbei. Das war wirklich eindrücklich für uns und ist nochmals eine ganz andere Dimension von einem immersiven Erlebnis. Dass man selbst Teil der Vorführung wird, ist eine sehr interessante Entwicklung. In einer Einstellung konnten wir sogar mit unseren Händen eine Art Kokon um unsere Körper bauen 👀👀 WOW.

Nicht immer war mir klar, was diese Vorstellung mit Hennessy zu tun hat, ausser dass viele Fässer in die ganze Welt transportiert werden. Aber es hat uns beeindruckt und sehr viel Spass gemacht.

Anschliessend ging es auf wieder an die frische Luft und auf die andere Seite des Hofes. Hier besichtigten wir einen Teil des Kellers mit den Fässern.

Hier lagern ca. 9.000 Fässer in einem Raum. Im Total besitzt Hennessy 600.000 Fässer !
Und dann geht es noch ins Paradies. Hier lagern die Bestände (oder Teile davon) von den alten Jahrgängen (Traubenschnaps vor der Mischung zum Cognac). Der älteste Jahrgang, den ich sah, war von 1805. Auch das ist beeindruckend. Wenn die Entwicklung des Schnapses abgeschlossen ist (das kann viele Jahre oder gar Jahrzehnte dauern, abhängig vom Jahrgang), wird auch die Begutachtung durch das Committee beendet.
Am Ende gibt es noch eine Degustation von einem Cognac XO, einmal pur und mit Raumtemperatur, einmal pur mit Eiswürfel und einmal als Cocktail.

Anschliessend werden wir durch den Verkaufsraum geführt (Überraschung 😂) und uns werden tolle/teure Flaschen gezeigt.

Könnt Ihr links unten den Preis erkennen ? Genau, 40.000 Euro und das ist nicht mal die teuerste Flasche im Show-Raum. Ich denke, das ist nichts für ein Coq au Vin 🤣🤣. Wir haben eine ganz kleine Flasche XO gekauft, die einen Bruchteil von der gezeigten kostete.

Die PR-Show war sehr professionell und auch wirklich gut gemacht und gelernt haben wir auch etwas. Müde und zufrieden fahren wir die 2 Stunden nach St. Emilion und kommen dort um ca. 22.00 an. Was für ein voller Tag !

Alles Liebe

Claudia und Thomas

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