8. Telegraph Cove, das Tor zur Wildnis

201 km von Campbell River nach Telegraph Cove, am ersten Tag am neuen Ort erleben wir unseren ersten und einzigen Regentag. Uns gefällts trotz Regen gut !

Was für eine wunderschöne, kleine, geschützte Bucht ! Das meiste sind historische, einfache Holzhäuser, ergänzt durch neuere Holzhäuser im alten Stil. Einige der neuen Häuser (Pub, Restaurant und Büros von 2 Firmen für Naturbeobachtungen) sind leider im Dezember 2024 abgebrannt und werden derzeit wieder zusammen mit einer neuen Plattform am Ufer wieder aufgebaut.

An diesem Platz standen vor Dezember 2024 noch Häuser

Die winzige Gemeinde mit 20 Einwohnern und recht vielen Saisonkräften hat sehr pragmatisch reagiert, um das wirtschaftliche Leben des Ortes zu sichern: ein Veranstalter arbeitet von einem Container aus, der andere ist in ein Gemeindebüro eingezogen, das Restaurant arbeitet mit 2 grossen Grills vor einem Gebäude und serviert in und vor dem ehemaligen General Store (Tante Emma Laden, der jetzt nichts mehr verkauft; der nächste Laden ist ca. 30 km nördlich; gut dass wir genug Wein und Bier im Camper hatten!). Alles funktioniert gut, die Stimmung ist bestens. Es gibt immer noch Touristen, aber der Campingplatz ist nur noch zu max. 30% besetzt. Es ist Saisonende, ab 1. Oktober ist alles geschlossen, das Restaurant hat keinen Wein mehr und will nichts mehr nachkaufen.

Am ersten Tag nach Ankunft haben wir die Umgebung zu Fuss erkundet und eine Tour in den angrenzenden Regenwald auf steilen Hängen gemacht.

Das war nicht wirklich ein Wanderweg ! Schön war es trotzdem, jedoch war der kalte Regenwald nicht wirklich vielfältig.

Alle Grizzly-Touren bis Saisonende waren ausgebucht, wir haben vor einigen Tagen 2 der letzten Plätze bekommen, für den zweiten Tag unseres Aufenthalts in Telegraph Cove. Der Veranstalter arbeitet mit 3 Booten die jeweils max. 10 Gäste aufnehmen können, dazu je eine Kapitänin und ein Naturalist für Erläuterungen zur Tierwelt. Wir waren äusserst gespannt was uns erwarten würde. Um 06:30 ging es los, warm eingepackt, die Kamera mit dem 600er Tele im Anschlag.

Es geht looooos 🤗
Zwischendrin noch eine faszinierende Nebel-Stimmung

Man fährt ca. 2 h auf die gegenüber liegende Festlandsseite in den Knight Inlet hinein (im Prinzip lange Fjorde zwischen den Landzungen, mit türkiesblauem Wasser und reich an marinem Leben). Der Inlet ist über 100 km lang, wir werden bis zur Hälfte fahren. Am Beginn des Inlets könne wir einen Halt bei einem Schwarzbären machen.

Nun sind wir am Ende unserer Fahrt im Inlet angekommen. Wir steigen auf ganz flache Boote um und sehen gleich die ersten Grizzlys.

Die ersten Grizzlys !! Sie kamen gerade aus dem Wald und interressierten sich für die Früchte auf einem Baum bei einem Bootssteg.
Ein bisschen kratzen kann man sich auch gleich noch…
Kanadagänse, sie kamen in dieser einsamen Bucht in grosser Zahl vor.
Ein Stück weiter noch mehr Bären. Sie frassen vor allem von den Seggen, die im Uferbereich in Massen vorkommen (bis zu 70% der Nahrung von Grizzlys in dieser Gegend).
Mutterbär nimmt die Witterung auf …
So ganz alleine waren wir hier nicht. Jedoch muss ich sagen, die Leute waren total diszipliert, keiner sprach laut. Die Motoren der Boote wurden abgeschaltet und die Kapitänin und unser Führer stiegen in Fischerausrüstung ins Wasser und zogen und schoben die Boote. Es war absolut leise nur das Klicken der Kameras war zu hören.
Wir hatten Glück, wir waren am oberen „Stockwerk“ am Boot
Ein Weisskopfseeadler beobachtet das Ganze aus sicherer Entfernung, die Bären sind dann doch etwas zu gross.
Eines der 2 Jungtiere, die in Begleitung der Mutter hier frassen. Etwas später kamen dann noch ein weiteres Muttertier mit Jungen dazu.

Prinzipiell zur Bärenfotographie: diese stellt sich einigermassen schwierig dar. Die Schwarzbären sind so diffus bezüglich der Belichtung, sie „verschwimmen“ regelrecht mit dem Hintergrund. Die Grizzlys sind in dieser Beziehung leichter. Jedoch, was beide Bärenarten gemeinsam haben, sie sind ständig mit Nahrungsaufnahme beschäftigt, haben also ständig die Schnautze nach unten, sehen also eher aus wie dicke Kühe. Bilder von einem Gesicht eines Bären brauchen geschätzte 40 Fehlversuche, bevor einer gelingt und dann ist dieser nicht immer scharf. Ein guter Grund, tiefer in die Fotographie einzusteigen ☺️

Auf dem Rückweg lag der Fokus dann auf der Meeresfauna.

Robben, die gleiche Art wie die in den Häfen. Die Einheimischen nennen sie „rock sausages“, also Felsenwürste. Eigentlich gemein für so herzige Tiere.
Orcas, eine Gruppe von 4 Tieren, mit beeindruckenden Fontänen.
Die Seelöwen, wie immer laut und wie immer stinkend 🙂

Dieser Tripp in den Inlet und zu den Bären war toll ! Wir haben zum ersten mal Grizzlys gesehen, zum ersten mal Orcas. Es war wirklich beeindruckend und einfach schön ! Nun noch eine Nacht in Telegraph Cove und dann geht es auch wieder zurück aufs Fesland. Schade, hier wären wir gerne länger geblieben (auch wenn es sehr frisch/kalt war) !

Noch etwas ganz anderes: als wir in Telegraph Cove das erste mal auf den Camping Platz fuhren, sahen wir schwarze Kötteln. Wir rätselten, was das wohl für Tiere sind. Thomas meinte noch, irgendwelche Schafe oder Ziegen. Jedoch bereits in der zweiten Abenddämmerung waren Rehe auf der Campsite. Das war natürlich noch viel schöner als Ziegen. Am letzten Tag, bei unserer Abfahrt zeigte sich dann noch ein Reh auf einem Felsen direkt beim Campingplatz – CiaoTelegraph Cove !!!

Wir hoffen, Euch gefallen die Bilder !

Liebe Grüsse, passt aufeinander auf und bliebt gesund

Claudia und Thomas

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