Wir sind hier auf einer Expedition. Diesmal sind jedoch nicht Eintagsfliegen im Fokus, sondern Muscheln. Genauer gesagt: Austern. Wenn ihr euch noch erinnern könnt, haben mir die Austern auf Tasmanien wirklich sehr gut geschmeckt und da ich dieses Jahr einen runden Geburtstag hatte, schenkte mir Thomas eine Austernexpedition. Nicht irgendwohin, sondern nach Cancale. Dieser Ort liegt in der Bretagne am Meer und verdient seit hunterten von Jahren sein Geld mit Austern, schon die französischen Königshäuser liessen sich die Austern bis nach Paris bringen. Auch heute noch floriert der Handel von Austern von Cancale nach Paris, bzw. Cancale und dem Rest von Europa. In Cancale gibt es den einzigen Austernmarkt der Welt, der jeden Tag geöffnet ist, jeden Monat und 365 Tage im Jahr. Und, Cancale profitiert von einer der höchsten Tiden der Welt: es gibt Tiden, die mehr als 14 Meter Höhe ausmachen, bzw. einige Kilometer, indem sich das Meer vom Ufer entfernt, bzw. wieder zurück kommt. Diese hohe Tide macht, dass die Austern sich kräftig anstrengen müssen, um sich zu öffnen (wenn sie unter Wasser sind) und wieder zu schliessen (wenn sie gerade an der Luft sind), bzw. die Tide macht auch, dass die Austern regelmässig frisches Wasser bekommen
Aber bevor ich von den Austern erzähle, hier noch ein paar Worte zur Anreise. Wir flogen am 20.04.25 von Genf, über Schiphol nach Rennes. Warum flogen wir am 20.04 ? Ich dachte mir, sicher ist sicher, im Monat mit R gibt es sicher noch Austern (mittlerweile weiss ich, dass es diese das ganze Jahr über gibt). Warum wir aber ausgerechnet den Ostersonntag gewählt haben, macht natürlich überhaupt keinen Sinn, wir haben schlicht nicht darauf geachtet.

Die ganze Reise war komplett störungsfrei und schnell, um 16.00 waren wir bereits in Rennes.

Die Ferienwohnung gefiel uns wirklich sehr gut, sie war sauber, gross genug und die Organisation der ersten Lieferung für Lebensmittel hatte perfekt funktioniert – wir hatten also bereits Kaffee und Milch für das erste Frühstück am kommenden Morgen.
Der erste Tag diente der Orientierung im Ort. Als erstes ging es zum Austernmarkt und dort bestellte ich das erste Duzent von Austern und habe sie auch gegessen.




Und weil ich gerade so in Muschellaune war, gab es zu Mittag noch Moule et Frittes 🥳


Am nächsten Tag hatten wir Lust auf Bewegung. Wir wussten bei der Buchung der Unterkunft, dass diese am Wanderweg GR34 liegt, der Weg heisst auch Zöllnerweg. Dieser geht der Bretagne entlang, immer am Ufer entlang. Wenn du eine Tagesetappe von 20 km rechnest, jeden Tag läufst, brauchst du nur für diesen Weitwanderweg 100 Tage. Was ebenfalls noch speziell ist, pro 20 km bist du 1000 Höhenmeter im Durchschnitt gelaufen. Also wirklich viel rauf und runter.
Wir wollten also zum nächsten Ort am GR34 zum Pointe du Grouin. Es hiess, es sind 2 Stunden bis dorthin.



Nach ziemlich genau 2 Stunden waren wir an unserem Ziel, teilweise mussten wir auf allen vieren entweder rauf oder runter klettern. Es ging die Klippen rauf, wieder zur nächsten Bucht runter, wieder rauf, wieder runter. Wie man es also schaffen soll, täglich 20 Kilometer zu gehen und das 100 Tage lang, kann ich mir nicht vorstellen.
Wir hatten jedenfalls nach diesen 2 Stunden ordentlich Hunger.


Wieder in unserer Wohnung, setzten wir uns auf die Terrasse.


Der nächste Tag war als Regen- und Windtag vorhergesagt – und genau so war es ! Also konnten wir uns mit dem Frühstück ein bisschen Zeit lassen und Thomas brachte eine bretonische Delikatesse vom Bäcker mit: Kouign-amann (gesprochen Ku:n – jamann – oder ungefähr so)

Als wir fertig mit dem Frühstück waren und unterwegs mit dem Leihwagen nach St. Malo fuhren, regnete es ganz ordentlich. Daher habe ich ausser in der Kathedrale St. Vincent keine Foto’s gemacht und mir die nächsten 2 Foto’s aus dem Internet geborgt.

St. Malo ist die Stadt mit dem wichtigsten Hafen der Côte d’Émeraude in der Bretagne. Sie hat eine sehr wechselhafte Geschichte hinter sich, z.B. wurde sie bereits im Jahr 56 v. Chr. von Julius Caesars eingenommen. Ihre Blütezeit hatte sie im 16 Jahrhundert als Korsaren Stadt, speziell Holländer und Engländer wurden gerne mit Schiffen von St. Malo angegriffen und beraubt. Ein Name von vielen Strassen kommt aus dieser Zeit, der Korsare Robert Surcouf, der anscheinend so erfolgreich war, dass er sich bereits mit 35 Jahren in den Ruhestand zurück ziehen konnte. Eine traurige Berühmtheit erhielt die Stadt gegen Ende des 2. Weltkriegs, da sie von deutschen Einheiten besetzt und von Engländern/Amerikanern befreit wurde. Währen dieser Befreiung wurden ca. 80 % der Altstadt ruiniert. Die Stadt wurde 20 Jahre lang nach Ende des 2. WK wieder original aufgebaut, auch dies ein Grund für die Berühmtheit des Orts.


Wir gingen essen und entschieden uns für das Restaurant L’Absinthe. Einfach wegen dem Namen. Nach einem wirklich guten Essen mit sehr angenehmen Service bestellten wir zur Nachspeise einen Cafe Gourmand à L’Absinthe. Wir gingen davon aus, es ist ein Cafe mit Absinthe. Irgendwie zwei Getränke auf einem kleinen Tablett. Dem war aber nicht so ! Cafe Gourmand a L’Absinthe bedeutete es gibt Espresso und 3 verschiedene kleine Kuchen. Also bestellten wir noch einen zusätzlichen Absinthe dazu.

Nach dem Mittagessen wollten wir uns noch Dinard anschauen, dem Ruf nach ein sehr mondäner Badeort. Die Anreise war interessant, wir sind über den Damm eines Gezeitenkraftwerks gefahren. Nur dann, wurde es irgendwie eigenartig: der Ort sah aus, wie ein Ort – von mondän haben wir nichts gesehen (ausser einem Casino, aber das alleine macht noch keinen mondänen Ort aus), wir haben keinen Strand gefunden und auch die architektonisch interessanten Häuser waren für uns nicht zu finden. Zusammengefasst: zu diesem Ort haben wir keine Eingangstüre gefunden. Wir fuhren dann einfach wieder zurück und haben den Nachmittag auf der Promenade von Cancale verbracht.
Am nächsten Tag fuhren wir um die Bucht nach Cherrueix , um am Nachmittag Sandyachting zu machen. Aber zuerst mal machten wir eine Wattwanderung. Es war wirklich beeindruckend, wie weit draussen das Meer war.

Den richtigen Mont St. Michel sahen wir im Dunst ganz in klein ebenfalls am Horizont, oder …


Dann beobachteten wir die erste Gruppe vom Sandyachting, um von ihnen zu lernen. Einerseits freute ich mich auf diese Unternehmung, auf der anderen Seite bin ich bisher nicht mit übermässigen Begabungen für Windsportarten aufgefallen. In der Vergangenheit durfte ich nach einem einwöchigen Kurs im Kiten nicht auf’s Wasser, da es für mich viel zu starken Wind hatte und ich irgendwann innerhalb dieser Woche mit einem Bauchplatscher auf’s Wasser aus einer Höhe von ca. 2 Metern (gefühlt 10 Meter) aufgrund einer Fahlmanipulation des Kites aufgefallen bin 😖. Tja, ich hatte Respekt !


Es sah lustig aus, wie sie so fuhren und einfach – mal sehen ! Es war nun knapp vor 16.00, der Wind wurde stärker und kühler und wir sollten Helme tragen (die sind wirklich wichtig !!!!)

Dann war ebenfalls eine solche Versammlung wie bei der Gruppe von 14.00. Uns wurden in einer ca. 3 Minütigen Einweisung alles wichtige gesagt – wir sollen los in einem Rundkurs, rote Hütchen links den Strand rauf und an den blauen Hütchen wieder rechts den Strand runter.
Ich versuchte noch mich mit meinen Händen in die richtige Position zu bringen, als ich von hinten einen kleinen Schubs bekam. Und los gings – und wie ! Ich düste über trockenen Strand rauf und ich feuchten Strand wieder runter, das Wenden ging super, es machte richtig Spass ! Langsam bekam ich Freude daran, andere zu überholen !
Nach ca. der Hälfte der Zeit, blieben wir alle stehen und uns wurde ein neuer Kurs vorgestellt:



Nach 1,5 Stunden war dieses schöne Erlebnis vorbei. War aber auch gut so, ich spürte meine Oberarm- und Beinmuskeln, ich hätte kaum mehr viel länger mitmachen können.
Da wir ein wenig durchgefroren waren, gingen wir in das selbe Lokal, indem wir Mittag gegessen hatten und bestellten uns 2 warme Getränke und Cookies.
Ich erhielt eine ganze Kanne voll Tee, jedoch nur einen Zucker (also nur für die erste Tasse). Für die zweite Tasse ging ich zur Bar und bat um eine Päckchen Zucker:
ich: Puis-je avoir un sachet de sucre, s’il vous plait ?
er: La cuisine est fermée
?????????????
ich: nö, ce n’est pas vrai
Das ging so lange, bis eine Kollegin von ihm kam und mir einfach den Zucker gab. Jetzt verstanden alle und lachten.
Thomas ging dann zahlen und fragte, ob er zahlen kann, oder ob die Kasse ebenfalls bereits geschlossen ist ? Nun ja, sie war natürlich noch geöffnet und ich erhielt als Abschiedsgeschenk ein Päckchen Zucker 🙃
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Liebe Freunde und Familie, ich hoffe, euch hat dieser Blog bis jetzt gefallen. Ich muss die nächsten paar Tage etwas anderes erledigen und schreibe den Blog bis spätestens Anfang nächster Woche fertig.
Alors, à plus tard et restez en bonne santé !
Alles Liebe Claudia
