Kevin, allein zuhause ……

Heute möchte ich euch einen Mitbewohner unseres Hauses vorstellen.

Eine kleine Vorgeschichte hat dieser Mitbewohner und sein Entdecken schon. Also ganz am Anfang stand eine Dokumentation auf Arte über Bärtierchen. Wunderbar interessante kleine Lebewesen, die besondere Dinge können: sie leben auf allen Kontinenten, im Süsswasser oder im Meer oder auch im Regenwald, sie können Hitze ertragen (zumindest kurz) und fast bis zum absoluten Nullpunkt überleben und sogar Radioaktivität macht ihnen wenig aus. Sie können komplett dehydrieren, indem spezielle Flüssigkeit zu einer Art Glas erstarrt und so die darin eingeschlossenen Moleküle schützen (Kryptobiose). In diesem Zustand kann sie fast nichts mehr zerstören. Nun macht ihnen weder hoher Druck noch Vakuum etwas aus, oben angegebene Umstände ohnehin nicht. Interessanterweise pflanzen sie sich geschlechtlich fort, bei manchen Arten kommt es vor, dass sie sich auch parthenogenetisch fortpflanzen, also das Weibchen macht alles alleine.

Verschiedene Wissenschaftler (Biologen, Materialwissenschaftler, Genforscher u.w.) untersuchen nun die Grundlagen für diese Fähigkeiten, wären doch einige dieser Eigenschaften durchaus wünschenswert für uns Menschen. Hätten wir Menschen ein paar Eigenschaften der Bärtierchen, könnten wir einige Wunschträume realisieren, z.B. das Beamen oder das Auftauen von Menschen !

Dann, das zweite Mosaiksteinchen für unsere Haus- und Grunduntersuchung war ein Tag mit Andrea R. auf Skiern im Februar, ich erzählte von der o.g. Dokumentation. Andrea wiederum erzählte zu Hause von der Dokumentation und daraufhin entschied Lorenzo, ein Sohn von Andrea und Marco, einen Vortrag im Englischunterricht über die Bärtierchen zu halten.

Gerne hätten wir dazu einen Betrag geliefert, leider kam der Vortrag zu früh, aber wir fingen an, die Bärtierchen rund um unser Haus zu suchen. In einem Youtube-Film fanden wir interessante Info’s https://www.youtube.com/watch?v=L6VvmY5J-7A. Es sind erstaunlich viele Filme zu diesem Thema vorhanden !

In einem ersten Schritt gingen wir in unseren nahen Wald und sammelten Moose, leider fiel aus diesen kein Bärtierchen. Ein weiterer Versuch bei uns in der Wiese (wir haben unheimlich viel Moos, da wir eigentlich nichts dagegen unternehmen) – wieder kein Bärtierchen. Dann mit Moos aus dem Blumenbeet – wieder kein Bärtierchen. Dann erinnerte ich mich daran, dass der Alfred aus dem Video sagte, die besten Ergebnisse hätten sie mit Moosen auf Dächern von Gartenhütten gehabt. Eine solche haben wir zwar nicht, aber eine Dachterrasse mit Holzboden und einen recht unansehnlichen Moosfleck (bezüglich unansehnlich haben wir nun unsere Meinung geändert). Tadaa: Bärtierchen in der Petrischale !!!!

Diese Winzlinge sind ca. einen halben Millimeter „gross“, im Binokular recht gut zu sehen. Nun noch transferieren vom Binokular auf einen Objektträger mit einem Tropfen Wasser, dann mit dem Mikroskop ansehen und Fotos machen. Es ist schon toll, mit einem Biologen zu leben, der zu Hause ein Labor aufgebaut hat 😘🥳🤩. Was wir alles nicht sehen würden ohne diese technische Ausrüstung.

Unser erstes Bärtierchen von unserer Terrasse. Selbst nach einer Woche in der Petrischale zappelte das Bärtierchen ununterbrochen, es suchte wohl etwas, wo es sich fest halten konnte und/oder nach Nahrung. Auf jeden Fall mussten wir uns entscheiden, ob wir ein unscharfes oder ein scharfes Foto wollen. Hätten wir ein scharfes Foto gewollt, hätten wir das Bärtierchen killen müssen. So haben wir uns gegen das scharfe Foto entschieden und das Bärtierchen nach dem Foto in die Freiheit entlassen. Man kann aber doch recht gut erkennen, die Bärtierchen haben 8 Beine, 3 Beinpaare am Körper und 2 Beine am Ende des Tierchens. Mit letzteren schiebt es sich vorwärts. Rechts im Bild ist der Kopf. In Wirklichkeit ist das Bärtierchen grau/durchsichtig, jedoch mit der Mikroskop-Beleuchtung von unten wird es dunkel.

Ein scharfes Foto habe ich mir von SRF geliehen, das ich am Anfang des Beitrags als Titelbild verwendet habe. Das zeigt ein Bärtierchen in einem Kratersee in Kenia, das mit 400facher Vergrösserung fotografiert wurde (wahrscheinlich mit einem Rasterelektronenmikroskop, und danach koloriert; oder es wurde mit KI generiert).

Voila, das also ist Kevin unser Bärtierchen, englisch Tardigrades. Er sitzt, schläft, frisst, vermehrt sich auf unserer Terrasse, egal ob wir hier sind oder nicht – er ist selbstständig. Kevin hat sich einen sehr guten Platz ausgesucht, Seesicht 355 Tage im Jahr (manche Nebeltage im November abgezogen) und Feuchtigkeit hat er dort auch genug.

Es war sehr schön, ihn/sie/es heute kennen gelernt zu haben 👀 und ich glaube, der Moosfleck auf unserer Terrasse wird bleiben 🙃

Alles Liebe und bleibt gesund !

Claudia und Thomas

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