Unsere beiden Nachbarmädchen, Lina und Mila haben für uns diesen Wichtel gebastelt. Das war ein sehr schöner Willkommensgruß und wir freuten uns sehr, wieder zuhause zu sein. Vielen Dank Lina und Mila !

Nach einigen Tagen zu Hause, hatten wir Zeit über unseren Fidschi Aufenthalt nachzudenken. Wir hatten wirklich viele, viele Eindrücke zu verdauen.
Die Menschen und die Gesellschaft auf Fidschi
Wie bereits in der aller ersten Einleitung geschrieben, ist die Population von Fidschi auf zwei grosse Gruppen aufgeteilt. Rund 40 % Inder und 60 % Fidschianer. Die beiden Gruppen sind untereinander so gut wie gar nicht gemischt. Die indische Bevölkerung schaut auf die Fidschianer eher herunter und benennt diese Bevölkerungsgruppe als Mischung aus ehemaligen Kannibalen und Afrikanern (letztere wurden von den Engländern vor den Indern zur Zuckerrohrernte nach Fidschi gebracht). Was aber stimmt ist, dass die indische Bevölkerung wohl einen sehr, sehr grossen Anteil an der Erarbeitung des Bruttoinlandsprodukts von Fidschi hat. Die meisten Restaurants und Firmen werden von Indern geleitet. Auf der anderen Seite ist die politische Macht bei den Fidschianern. Diese Kombination war und ist nicht immer konfliktfrei, wir haben jedoch keinerlei offene Konflikte irgendwo gespürt, sondern ein Bemühen der Inder, den anderen zumindest kleine Jobs zu offerieren.
Viele Fidschianer leben in traditionellen Dörfern. Bedeutet, die gesamte Familie ist an einem Ort zusammen und lebt in der Form eines Clans. Jeder Clan hat ein Oberhaupt, welches meist ein Mann ist. Dieser ist die oberste Instanz, sein Wort ist Gesetz. Einem Clan werden häufig Einkunftsmöglichkeiten zugeordnet, z.B. ein Wasserfall, eine Bucht, ein Fluss, oder ausnahmsweise auch ein Kaffeehaus. Will man den Ort besuchen, zahlt man beim Oberhaupt einen Eintritt. Dieses Geld wird auf alle Teilnehmer des ganzen Clans verteilt. Das macht einerseits, dass der ganze Clan überlebt, aber auch, dass die einzelnen Mitglieder in ihrem Ehrgeiz gebremst sind: hat einer zu viel von irgendwas, muss er mit seinen Clan-Kollegen teilen. Das führt dann natürlich dazu, dass eine Person, sich einen Fisch aus dem Meer holt und keine 3, denn 2 Fische müsste er dann abgeben. Ein wenig wie im Kommunismus.
Noch ein kleines Wort zu Bildung/Ausbildung: Fidschi ist ein Land ohne Schulpflicht, jedoch gehen alle Kinder die ersten 8 Jahre in die Schule (wohl auch, da die Schule kostenfrei ist und es dort Mittagessen gibt). Also, lesen, schreiben, englisch und rechnen können alle. Aber dann, nach den 8 Jahren, passiert irgendwie nichts. Die jungen Leute lernen keine Berufe und Universitäten sind teuer. Das bedeutet, sie arbeiten den Rest ihres Lebens als ungelernte Kräfte. Das Mindestgehalt sind Fidschi $ 4/Stunde. Das sind weniger als 2 Franken oder Euro.
Noch ein Wort zur Gesellschaft allgemein: die Gesellschaft scheint sehr patriarchalisch zu sein, wobei die Frauen durchaus selbstbewusst sind. Ich mache das daran fest, dass die Kommunikation fast ausschliesslich zwischen Mann und Mann statt fand. Selbst dann, wenn ich eine Frage stellte, bekam Thomas die Antwort. Gott-sei-Dank bin ich nicht mehr 30, zu diesem Zeitpunkt hätte mich das echt geärgert, so aber konnte ich schmunzeln. Noch etwas speziell patriarchalisches scheint auf Fidschi zu passieren:

Noch etwas, was ich kaum einordnen kann: oftmals wurden wir bevorzugt behandelt. Es gab Situationen, z.B. in einem Supermarkt oder einer Apotheke, da stellten sich Menschen in eine Reihe. Wir also also auch, wenn 5 Personen bereits in einer Schlage stehen, stellen wir uns an die 6. Position. Auf Fidschi war es jedoch oftmals der Fall, dass sie uns bevorzugt behandelt hatten, bzw. sie uns in der Schlange nach vorne reihten und wir sofort dran gekommen sind. Das war uns eher unangenehm und ich verstehe bis heute nicht warum. Weil wir Europäer sind ? Weil wir Touristen sind ?
Und noch eine letzte Beobachtung: wir erhielten viele👍,und ich glaube, einfach, weil wir dort waren.

Das Essen
Vorausgeschickt: wir hatten zu diesem Thema keinerlei Erwartungen ! Eher im Gegenteil, das Essensangebot ist auf Inseln manchmal übersichtlich (so erlebt auf einigen Inseln in der Karibik). Häufig gibt es ein größeres Angebot, wenn gerade ein Lieferschiff angekommen ist, nachdem das meiste davon gegessen wurde, gibt es dann nur mehr einen Bruchteil der Nahrungsmittel und nur mehr Dosen. Jedoch, nicht so auf Fidschi !
Aber zuerst mal, was uns nicht ganz so gut gefiel: Curry with bones. Hühnchen-Curry wird häufig mit Knochen gemacht. Beim Essen sieht das dann so aus, dass jede Person zwei Teller hat. Einen mit Curry und Reis und einen zweiten, am Beginn noch leeren, für die Knochen, die wieder ausgespuckt werden. Du kannst durch die Knochen und Knochensplitter das Fleisch eigentlich nur „lutschen“, wenn du beißt, beißt du mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen Knorpel, Knochen- oder eben Splitter. Wenn immer möglich, bestellten wir also „boneless“ Curries, die waren dann meist gut. Den letzten Platz von all unseren Speisen, die wir auf Fidschi gegessen haben, erhielt das Hühnerherzen-Curry. Das konnten wir beide schlicht nicht essen.

Was uns total entgegengekommen ist, sind die Öffnungszeiten der Restaurants. Sie öffnen so ca. 10 bis 11. vormittags und haben dann bis Abends geöffnet. Wir konnten also jederzeit am Nachmittag essen gehen.
Es gab viele Köstlichkeiten:


Schon alleine wegen dieser Aussicht, kommt dieses Restaurant auf die Auswahlliste. Hier ist der Ausblick von der Rooftop Bar des Ramada Hotels auf dem Wailoaloa-Beach.





Die Unterkünfte und unsere Reiseroute
Prinzipiell sind wir beide zufrieden, wie und was wir geplant und durchgeführt haben. Einen „Fehler“ haben wir am Anfang gemacht. Nach ca. 60 Stunden Anreise mussten wir sofort in den Mietwagen steigen, um zur ersten Unterkunft zu kommen, die Fahrzeit war ca. 2,5 h. Das war zu schnell, wir waren noch gar nicht richtig auf Fidschi angekommen und schon hatten wir Familien- und Farmanschluss, herzlich, trubelig, laut und rustikal.

Ein, zwei Nächte in einer Ferienwohnung (mit Waschmaschine) in Nadi wären hier besser gewesen, so schön der Aufenthalt im Outback Retreat Hotel auch war.
Der eigentliche Griff ins Klo kam jedoch später in Form von unserer Luxus-Unterkunft, die mit vielen Unternehmungen angepriesen wurde. Wir wussten, dass wir eher einfache Unterkünfte gebucht haben, dieser Aufenthalt war als Ausnahme gedacht und war entsprechend teuer und voller Erwartungen unsererseits. Jedoch, eine Unterkunft ohne „Seele“, ohne Unternehmungen, eigentlich auch ohne Kontakte zu irgendjemand, kann noch so schöne Zimmer haben, sie ist keinen der vielen Dollar wert. Aber, wir sind auch sicher, wir haben das beste daraus gemacht. Und, auch nach vielen Online-Buchungen unsererseits, kann es passieren, dass eine Unterkunft nicht hält, was sie online verspricht.
Die Unterkunft bei Lisa und Roy in Vanua Levu war eindeutig die schönste ! Der Bungalow mit voll ausgestatteter Küche war wirklich wunderschön und wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Ein bisschen wird die Euphorie durch das Gespräch am Ende über die Zeugen Jehovas gebremst. Es macht den Eindruck, die Unterkunft ist deshalb so günstig auf dem Markt, um neue Schäfchen für die Sekte zu finden.
Die Cosy Bure war wirklich sehr cosy. Es stand zwar, dass sie eine Fläche von 60 m2 hat (was ja eigentlich genug ist für 2 Personen) und das hatte sie wohl auch. Jedoch, es waren 2 Stockwerke. Auf dem 1. Stockwerk war das Schlafzimmer mit sehr schrägen Wänden. Das bedeutete, im EG waren Wohnzimmer, Badezimmer, Toilette, Küche und Treppenaufgang auf 30 m2. Hier musste man sich schon sehr gut kennen und auch mögen, dass es zu zweit funktioniert. In dieser Unterkunft war auch die Klimaanlage in der Mitte der Höhe angebracht. Dies hatte wiederum die Konsequenz, dass im 1. Stock, also im Schlafzimmer, die Temperatur im Verlauf der Nacht kaum nach unten ging. Wenn du aber in der Nacht auf die Toilette nach unten musstest, war es dort und auf dem Weg dort hin, wirklich A…..-kalt 🫨
Und dann die letzte Unterkunft, in der No-Worries-Bay, hatte eine wunderbare Anlage und wir genossen die ganze Unterkunft für uns. Nur, ein wenig sauberer hätte die Unterkunft selber sein können. Aber ja, wir waren in der Südsee.
Wenn ich das hier nun alles so chronologisch schreibe, denke ich aber auch, ich möchte keine dieser Unterkünfte für diese Reise missen. Jede war auf ihre Weise speziell und auch eine neue Erfahrung für uns.
Mit unserer Route waren wir zufrieden, Vanua Levu in die Mitte zu schieben, war richtig. So ein Ortswechsel braucht ohnehin einen ganzen Tag, da kann man auch gleich mal einen Flug dazwischen nehmen. Mit der Dauer der einzelnen Unterkünfte (gebucht wurde nach dem Motto: nicht zuviel hin- und herhüpfen, aber trotzdem viel sehen und auch an Plätzen länger bleiben) sind wir ebenfalls zufrieden. Nur, gegen Ende, war irgendwie die Luft draussen, hier hätten wir kürzen können. Aber das ist auch dem Problem mit meiner Haut geschuldet.
Meine Haut ist nicht für die Südsee gemacht.
Über Moskitos haben wir ja mehrmals geschrieben. So lästig wie dort, habe ich sie noch in keinem anderen Land der Welt empfunden. Denn hier stachen sie nicht nur in der Morgen- und Abenddämmerung, sie stachen 24 Stunden ! Dies wurde noch gesteigert, da sich vor allem im Gebiet von Ba (also unserer allerersten Unterkunft auf Fidschi), die Schwellungen von den Moskitostichen entzündeten. Das tat echt weh !
Ich kam mit Neurodermitis zur Welt, insofern kann kann ich sehr gut mit dieser Situation umgehen. Aber im Lauf des Urlaubs habe ich einen Schub von Neurodermitis bekommen, der war für mich in einem neuen Ausmass. Selbst auf den Fusssohlen hatte ich den nicht unbedingt hübsch anzusehenden Ausschlag.
Dann habe ich, speziell bei aggressiver Sonne, eine weitere Hässlichkeit auf der Haut: Lippenherpes 😖
Den Rest gab mir dann folgendes:

Wegen der Moskitos benutzte ich diesen Repellent – ein Spray, der Moskitos abhält, mich zu stechen (Thomas wurde viel weniger gestochen und bei ihm entzündete sich nie irgendetwas). Speziell Unterarme, Hals und Unterschenkel habe ich oftmals eingesprüht. Voila, das hat funktioniert, die Moskitos haben nach dem Sprühen für ca. 2 – 3 Stunden Ruhe gegeben. Nur …………
…….. ich hatte nach ein paar Tagen des Gebrauchs noch nie einen so schönen Truthahnhals, Truthahnnacken und beleidigte Unterschenkel und -Arme wie am Ende des Urlaubs.
Die 4 erwähnten Hautprobleme führten zur Entwicklung eines Gedankens, womit man mir auf jeden Fall keine Freude machen könnte: einen 6 monatigen Segelturn in der Südsee ! Ich glaube, ich würde nach einer gewissen Zeit verbeult, zerstochen, unansehnlich und vollkommen phlegmatisch in der untersten Kombüse sitzen und warten, bis die 6 Monate irgendwie vorüber gehen.
Ich bewundere jeden, der sich diesen Traum erfüllt, aber bitte ohne mich 🫣
Und, ich bedanke mich bei Thomas, dass wir trotz allen Widrigkeiten gemeinsam wieder nach Hause geflogen sind 😘
Unsere Technik
Bei dieser Reise waren wir technisch anders aufgestellt, als bei vergangenen Reisen. Bei den vorigen Reisen habe ich meist Datenpakete bei meiner Schweizer Telco gekauft, oft auch Voicepakete. Diesmal wollten wir es günstiger angehen. Von Freunden haben wir viel gelernt und reisten mit einem mobilen Hotspot nach Fidschi. Nach den Anfangsschwierigkeiten bereits am Flughafen von Nadi, haben wir den leider zerstörten mobilen Hotspot von Netgear gegen einen Huawai ausgetauscht und dort auch ein Datenpaket von 500 Giga hinzugebucht. Die Hardware und das Datenvolumen haben zusammen 99 Fidschi $ gekostet. Dieser Preis war viel günstiger als alle Informationen, die wir zu Hause auf den Webpages der lokalen Telco-Anbieter finden konnten.
Der mobile Hotspot funktionierte wunderbar ! Wir konnten diesen Blog in die Cloud schicken und ihr konntet ihn dann lesen. Aber auch bei der Suche nach Restaurants oder für die Navigation mit Maps konnten wir mit dem mobilen Hotspot überall online gehen.
Eine weitere veränderte Hardware war das Tablet, anstelle des Laptops, das Tablet war natürlich viel leichter und schlanker. Und, die umgebastelte QUERZ-Tastatur hat sich bewährt.
Dann kam noch die 2. SIM-Karte in Thomas Telefon dazu. AJ, unser Hotelbesitzer und Guide des Outback-Retreat Hotels, meinte zu uns: „you will need a local SIM“. Und er hatte Recht, wir brauchten tatsächlich für die Organisation von Restaurants oder Unternehmungen, Autovermietungen, Kontakt zur lokalen Bevölkerung diese Fidschi-Telefonnummer. Und wir haben sie rege benutzt. Das aufgebuchte Guthaben wird auf Fidschi verdreifacht, wenn also jemand Interesse an einer aufgeladenen fidschianischen Telefonnummer hat, sagt es uns, ihr könnt diese SIM haben !
Zusammen gefasst zur technischen Ausrüstung: wir werden nie mehr Datenpakete kaufen, immer mit lokalen SIM-Karten arbeiten.
Biologie – die Wissenschaft
Einer der Gründe, warum wir überhaupt nach Fidschi geflogen sind, ist, dass es auf der Welt einen weissen Fleck im Zusammenhang mit Eintagsfliegen gibt, der geschlossen werden musste. Die Welt der Eintagsfliegenforscher wartet auf das Werk von Thomas, insgesamt wurden 250 Eintagsfliegenlarven in 8 Flüssen oder Bächen erbeutet !!! Aktuell sind ausgewählte Exemplare bei der Genanalyse des Museums in Lausanne.
Thomas winkt bereits mit einem zweiten weissen Fleck auf der Eintagsfliegen-Landkarte: Palau ! Aber erstmal möchte ich den nächsten Urlaub in einem Land, mit ein wenig weniger Moskitos verbringen, Palau muss noch ein bisschen warten.
Nun, sind die Fidschi’s ein Paradies ?
Das sind wir oft gefragt worden. Unsere Antwort dazu: ein eindeutiges Jein ! Auf der einen Seite ist Fidschi ein Paradies, es verhungert dort niemand, für jeden ist auf Grund der Clan-Struktur gesorgt. Und die Natur ist üppig, Früchte, Gemüse und Fische gibt es im Überfluss. Nur Fleisch, Zucker (billig, gibt es im Überfluss aus lokaler Produktion), Mehl müssen dazu gekauft werden. Und natürlich so Luxusprodukte wie Eis. 😋
Auf der anderen Seite nein, wenn man Paradies so definiert, dass einer Person die ganze Welt zur Verfügung steht. Die Gehälter der Einheimischen sind so tief, dass die meisten noch nicht mal eine Nachbarinsel besuchen konnten, geschweige denn ein anderes Land. Der Kauf eines Auto’s ist astronomisch im Verhältnis zum Gehalt, Bildung übersteigt meist das Familienbudget. Insofern könnte man auch sagen, die Einheimischen fidschianischer Abstammung (nicht die Inder) sind in ihrem Paradies gefangen.
Und für Touristen ? Ein Aufenthalt auf Fidschi ist wirklich mühsam zu organisieren. Sie geben sich keinerlei Mühe mit ihren Webpages, auf den grossen Buchungs-Plattformen sind die Unterkunftsmöglichkeiten kaum gelistet. Und vieles ist einfach geschlossen. Wenn man bei der Planung und Organisation aber Geduld und Zeit hat, ist es machbar.
Wenn man einmal dort ist, ist Fidschi einfach zu bereisen (wenn man ein Auto gemietet hat), Fidschi ist sehr sicher und die Menschen freundlich und neugierig.

Man kann auf Fidschi mit fast jedem einfach reden, die Leute sind sehr hilfsbereit und jeder spricht englisch.
Und Fidschi ist meist sehr schön und wenn man Zuckerrohr schön findet, ist es sogar überall schön 😉. Und, auf den Inseln gibt es keine Tropenkrankheiten oder giftige Tiere oder Pflanzen. Fidschi ist also durchaus eine Reiseempfehlung wert !
