Heute ist der Tag, an dem wir unseren Camper abholen. Schnell runter zur Waterfront zum Frühstück, wieder hoch auf den Hügel und das Gepäck fertig machen. Transfer zur Camperfirma, wir sind ein paar Stunden zu früh, werden aber sofort bedient. Die Einweisung dauert eine Stunde. Das Auto ist riesig, na ja, halt 7 Meter 20 lang und 3 Meter 50 hoch. Es ist heute bitter kalt, es regnet und ist windig. Meine Augen tränen, meine Nase läuft. Ich fühle mich nicht so toll und sehe wahrscheinlich auch entsprechend aus.
Nach der Einweisung geht es erstmal zum Shopping, unsere Lebensmittelliste ist lange. Wir fahren zum Woolworth nach Sorell. Das Auto ist unheimlich laut, schon alleine die Besteckschublade rüttelt bei jeder Unebenheit.
Was uns im Geschäft sofort auffällt, alle Lebensmittelverpackungen sind riesig. Entweder die Familien auf Tasmanien sind sehr gross oder die Menschen essen wirklich viel. Oder beides. Als letztes suche ich noch ein Joghurt für mich (für Thomas ist das ja «Käse») und wundere mich über die vielen verschiedenen Greek Yogurts (mindestens 10 % Fettanteil) und nehme daher ein Tasmanisches Joghurt, wo nicht Greek draufsteht, obwohl es ein ganzes Kilo ist. Erst einen Tag später lese ich, dass dieses «Mager Joghurt» ebenfalls 9,8 % Fett beinhaltet. Thomas und ich tragen Unterleibchen, Fleece und Jacke und uns kommen im Geschäft Australier in Shorts entgegen. Die Australier scheinen ein sehr anderes Kälteempfinden als Europäer zu haben 😊.
Wir beladen das Auto und fahren zu unserem ersten Camp Ground. Schön ist es hier.


Am nächsten Morgen gehe ich unter die Dusche. Pro Australischen Dollar bekommt man 2 Minuten Duschzeit (die Temperatur kann man selber wählen). Ich werfe 2 Dollar ein. Es ist kalt hier drinnen. Kein Wunder, die Lüftung geht über Öffnungen ins Freie und es sind weniger als 10 Grad. Also schnell unter die Dusche, Shampoo drauf, Rubbel, Rubbel, abspülen und TSCHAK: weg war das Wasser ! Huch war das kalt jetzt – das waren die kürzesten 4 Minuten, die ich je erlebt habe. Schnell wieder in die Kleidung und ins warme Auto.
Wir fahren in Richtung Forestier Island, dort gibt es ein paar schöne Dinge zu sehen. Erst mal zu den Pflastersteinen. Sie sind auf natürliche Weise entstanden und deswegen so berühmt. Die Entstehungsgeschichte ist kompliziert und sollte besser in Google nachgelesen werden.


Nach diesem Besuch und einigen netten Konversationen mit Australiern fahren wir weiter zum Unzoo.
Wenn es irgendein Lebewesen gibt, das sinnbildlich für Tasmanien steht, dann ist es der Tasmanische Teufel, ein meist aasfressendes Beuteltier, das aufgrund seiner furchteinflößenden, nächtlichen Schreie schon immer die Phantasie der Menschen beflügelt hat! Der Tasmanische Teufel wäre wohl gern ein Raubtier, allerdings ist er ziemlich langsam und sieht extrem schlecht. Potentielle Opfer müssten ihm praktisch ins Maul springen. Dafür ist sein Geruchssinn ausgezeichnet und seine Kiefer sind extrem kräftig, überhaupt ist er ein richtiges Muskelpaket, das auch in seinem Gang an einen Bodybuilder erinnert. Am Ende steht deshalb meistens ein totes Tier auf dem Speiseplan. Die grässlichen nächtlichen Schreie sind nichts anderes als Futterneid zwischen mehreren Teufeln. Wir konnten dieses Sondermodell der Evolution in einer Art Betreuungsstation für Tasmanische Teufel und andere einheimische, tasmanische Tiere sehen, die als «Unzoo» firmiert. Der «Unzoo» liegt auf der Insel Forestier, die nur durch eine kurze Brücke vom Rest Tasmaniens getrennt ist. Durch Gitter im Boden der Brücke (ähnlich den Bovi-Stopps in den Alpen) wird verhindert, dass sich die gesunde Population der Tasmanischen Teufel von Forestier mit den durchseuchten Populationen (hochansteckender Gesichtskrebs) vom Rest Tasmaniens mischt (andernfalls droht das Aussterben dieser unvergleichlichen Art). Die Beobachtung dieser Tiere im Freiland ist kaum möglich, da sie sehr scheu und nachtaktiv sind.


Bei uns ist es jetzt fast 20.00, nun schliesst unser «Office». Wir wünschen allen einen schönen Tag !
